Schwaigen - Das Schwaigen und das Nichts.

Schwaigen.

 

Unzweifelhaft scheint Sprache zu „sein“. Aber verstehen wir, was wir uns sagen oder was wir sagen wollen? Reden und Hören sind nur Teil eines Prozesses ohne den Verstand. Ein Verstehen muss erst aufgrund von Interesse gebildet werden. Eine Kompetenz, mit der wir Sprachregeln verwenden, sagt nichts über unser sprechen, vielmehr zeigt sich, dass wir verschiedene Spiele beherrschen. Sprechen ist natürlich und Sprachregeln sind unnatürlich für unser sprechen. Nicht unser Sprechen für unser Denken. Wir reagieren beim Sprechen auf das, was gedacht wird, nicht auf theoretische Linguistik oder Grammatik.

Über Sprache kann man gut reden, weil wir es mit einem vagen System zu tun haben. Jeder kann etwas sagen und jeder redet bezeugt im sprachlichen Urteil wahres Zeug. Aber wer urteilt? Sprecher oder Hörer? Ist nicht der Sprecher auch Hörer? Zwischen Sprechen und dem Hören ist „Nichts“. Sprachanalytik unterschlägt geflissentlich den gemeinen Umweg vom Ohr zum Gehirn: Unser Denken, wie Sprachliches urteilen, sind wichtig. Ob wir reden oder ob wir schweigen, bleibt für unser verstehen unbenommen. Aber sämtliche Wissenschaft kann nicht so viel Aufwand treiben und différance zwischen Sprache und Sprechen, Kompetenz und Performanz herstellen, ohne diese „differens“ zu erfassen, dass dieses „ens“ zwischen dem Diskurs und dem Ereignis nachträglich unterscheidet. Es ist also nicht ein Schweigen im Sinne von, >>nicht reden<<, vielmehr ein Reden hinter der Rede. Darum nenne ich es „schwaigen“. Wer redet, „schwaigt“ denn die „differens“ zwischen Reden und denken und hören und denken ist nicht damit erklärt, dass man eine Sprache internal oder external verwendet.

25.7.10 16:31

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


freude / Website (25.7.10 16:34)
Man hört.“Wanderers Nachtlied“ und man versteht „Goethe“. Dieses unausgesprochene „Goethe“ ist grob gesagt das Schwaigen. Man erkennt, was man weiß. Das scheint nun eine Binsenweisheit zu sein und das sehe ich genauso. Mein methodischer Skeptizismus richtet sich in seinem Zweifel an jene dogmatische wissenschaftliche Besserwisserei, die nicht davon abgeht, dass sie nur vom Ausgesagten und Geschriebenen ausgehen kann. Der Hörer könnte nichts anderes meinen, als das, was er hört oder liest. Wanderers Nachtlied „initiiert nun gerade (so wie Adorno in Ästhetischer Theorie schrieb) das Unsagbare der Sprache von Natur“. Abstrakt gesprochen hieße das doch, die Natur spricht durch ihr Schwaigen. Wenn wir das Stumme in den Worten verleugnen, wird die Sprache nicht beredeter. Wir können eben nicht, wie Walter Benjamin meint, das Unsagbare eliminieren um uns auf das Besondere der Sprache zu konzentrieren. (Was übrigens Wittgenstein entspricht). Es muss gerade der umgekehrte Weg beschritten werden. Schweigen entspricht einer Transzendenz von Sprache, das Unsagbare gleichwohl in einem Sagbaren gesagt zu haben, ohne es eigentlich gesagt zu haben. Im Sprechen zeigt sich im Ungesagten richtiges Bewusstsein.

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